Kommentar: 376€ sind zu wenig!

Ein Kommentar von Laura Sauer.

376€. So viel Geld steht mir jeden Monat zur Verfügung. 376€, dafür, dass ich mir dann von Lindner anhören darf, wie er sich über eine vermeintliche „Gratismentalität“ aufregt. Das regt MICH auf! Während viele Menschen in Deutschland, gerade Familien, nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, will unser Finanzminister nicht mehr Geld für Hartz IV bereitstellen. Immerhin wurde Anfang des Jahres der Hartz-IV-Satz um 0,76% erhöht. 0,76%! Das muss man sich mal vorstellen. Die Inflation liegt seit Monaten über 7% und das Existenzminimum wird um 0,76% angehoben. Kann man sich nicht ausdenken.

Das 9€-Ticket, über das Lindner sich ja gefühlt am liebsten aufregt, hat mir in den letzten drei Monaten sehr viel ermöglicht. Ich konnte ein paar Mal in die nächst größeren Städte fahren. Ich konnte von meinen Großeltern aus Städte besuchen, in denen ich noch nie war. Gerade nach über zwei Jahren Corona hat das einfach gutgetan. Jetzt sitze ich wieder in meiner Kleinstadt und muss mir bei jeder Fahrt überlegen, ob ich es mir leisten kann. Und ich darf mich wieder durch den unglaublichen Preisdschungel der Regionaltickets wühlen, um rauszufinden, wie ich am günstigsten irgendwo hinkomme. Bayern-Ticket, Allgäu-Schwaben-Ticket, Schau-ins-Land-Ticket, MVV-Karte, AVV-Karte… Ach macht das einen Spaß. Nicht.

Jetzt soll also ein Ticket für 49-69€ kommen. Schön. Zumindest für die, die es sich leisten können. Ich gehöre nicht dazu. Selbst im Hartz-IV-Höchstsatz sind im Monat nur 40,27€ für Verkehr enthalten. Man muss kein Mathegenie sein, um festzustellen, dass das nicht hinhaut. Abgesehen davon, dass das Geld in anderen Bereichen sowieso nicht reicht und man dann irgendwo Geld für genug zu essen hernehmen muss. Von 5€ pro Tag satt zu werden ist halt schwierig. Vor allem, wenn alles immer teurer wird.

Jeder Einkauf ist ein Kampf gegen die Inflation. Ich bin es leid. Vor allem, wenn ich mirch dann noch mit sowas wie „Gratismentalität“ rumschlagen muss.